Bewerben in der Schweiz: Dossier, Vorstellungsgespräch und Arbeitsvertrag (Ratgeber 2026)

Ratgeber Portal Elvetia

Bewerben in der Schweiz: Dossier, Vorstellungsgespräch, Arbeitsvertrag

Als Rumänin oder Rumäne hast du freien Zugang zum Schweizer Arbeitsmarkt. Der Unterschied zu Rumänien liegt im Detail: Lebenslauf mit Foto, Arbeitszeugnisse, Lohnvorstellung in brutto und eine Bewilligung, die von der Vertragsdauer abhängt. Wir zeigen dir Schritt für Schritt, wie du alles richtig machst.

Kurz erklärt

Was du vor der Bewerbung wissen musst

Für rumänische Staatsangehörige gilt seit Juni 2019 die volle Personenfreizügigkeit mit der Schweiz, ohne Kontingente. Du kannst also wie jede EU-Bürgerin und jeder EU-Bürger eine Stelle suchen und annehmen.

Kein Visum, keine Bewilligung im Voraus

Du brauchst weder Visum noch Arbeitsbewilligung, um dich zu bewerben. Die Aufenthaltsbewilligung beantragst du erst mit dem Arbeitsvertrag; welche du bekommst, hängt von der Vertragsdauer ab.

3 Monate Stellensuche ohne Bewilligung

Du darfst bis zu 3 Monate in der Schweiz bleiben, um eine Stelle zu suchen. Dauert es länger, beantragst du bei der Gemeinde eine Kurzaufenthaltsbewilligung L zur Stellensuche, sofern du deinen Lebensunterhalt selbst bestreiten kannst.

Löhne werden brutto verhandelt

Der Medianlohn für eine Vollzeitstelle lag 2024 bei 7024 Franken brutto pro Monat (BFS). Die Unterschiede zwischen Branchen und Regionen sind aber gross; prüfe die Zahlen für deinen Beruf.

Schritt für Schritt

Vom Inserat zum ersten Lohn in 7 Schritten

Die Reihenfolge zählt: Ohne Vertrag keine Bewilligung, und ohne Anmeldung bei der Gemeinde solltest du nicht zu arbeiten beginnen.

  1. Bewerbungsdossier vorbereiten

    Lebenslauf im Schweizer Format, Motivationsschreiben, Arbeitszeugnisse oder Referenzschreiben und Kopien der Diplome, alles in der Sprache des Inserats. Details im Abschnitt zum Dossier.

  2. In der richtigen Region und Sprache suchen

    Die Schweiz hat drei grosse Arbeitsmärkte: Deutschschweiz, Romandie und Tessin. Wähle die Portale der Region, in der du leben willst, und bewirb dich in der Sprache des Inserats.

  3. Das Vorstellungsgespräch meistern

    Sei pünktlich, informiere dich über die Firma und halte eine Lohnvorstellung in brutto bereit. In handwerklichen Berufen ist auch ein Schnuppertag üblich.

  4. Vertrag lesen und unterschreiben

    Prüfe Probezeit, Kündigungsfrist, Lohn (12 oder 13 Monatslöhne), Arbeitszeit und Ferien. Die Vertragsdauer entscheidet, welche Bewilligung du erhältst.

  5. Bei der Gemeinde anmelden

    Innerhalb von 14 Tagen nach der Ankunft und vor dem ersten Arbeitstag meldest du dich bei der Einwohnerkontrolle an, mit Pass oder Identitätskarte und Arbeitsvertrag. Von dort aus läuft das Gesuch um die Bewilligung.

  6. Grundversicherung abschliessen

    Du hast 3 Monate ab Zuzug Zeit, eine Krankenkasse (KVG) zu wählen. Die Versicherung gilt rückwirkend, die Prämien zahlst du also ab dem Zuzugsdatum. Mehr dazu in die obligatorische Krankenversicherung in der Schweiz.

  7. Konto eröffnen und an die Steuern denken

    Der Lohn wird auf ein Schweizer Konto ausbezahlt, und mit Bewilligung L oder B wird die Steuer meist direkt vom Lohn abgezogen (Quellensteuer). Siehe Neobanken in der Schweiz und das Schweizer Steuersystem.

Bewerbungsdossier

Was in ein Schweizer Bewerbungsdossier gehört

Schweizer Arbeitgeber erwarten ein vollständiges, geordnetes Dossier, nicht nur einen Lebenslauf. Ein nachlässiges Dossier wird schnell aussortiert, auch bei guter Erfahrung.

Lebenslauf

  • In der Regel 1–2 Seiten, umgekehrt chronologisch.
  • Im Kopf: Name, Adresse, Telefon, E-Mail, Geburtsdatum, Nationalität und Aufenthaltsstatus. Ein professionelles Foto ist noch üblich, aber nicht Pflicht.
  • Ohne Bewilligung schreibst du zum Beispiel: EU-Bürgerin (Rumänien), Anspruch auf Bewilligung L/B bei Vertragsabschluss.
  • Sprachen mit Niveau nach dem europäischen Referenzrahmen (A1–C2). Für viele Stellen zählt Deutsch oder Französisch mehr als jedes Diplom.

Motivationsschreiben

  • Eine Seite, persönlich an die Kontaktperson aus dem Inserat adressiert, falls angegeben.
  • Sag konkret, warum diese Stelle und diese Firma, was du mitbringst und ab wann du verfügbar bist.
  • Schick nicht überall denselben Brief; Personalverantwortliche merken das sofort.

Arbeitszeugnisse

  • In der Schweiz stellt jeder Arbeitgeber beim Austritt ein schriftliches Zeugnis über Leistung und Verhalten aus; du kannst es jederzeit verlangen (Art. 330a OR).
  • Die Formulierungen sind oft „codiert“: Ein höflich klingender Satz kann eine schwache Bewertung sein. Lies sie genau, bevor du sie beilegst.
  • Für Erfahrung aus Rumänien legst du Referenzschreiben oder Arbeitsbestätigungen bei, übersetzt in die Sprache des Inserats oder auf Englisch.

Diplome und Anerkennung

  • Lege Kopien der relevanten Diplome bei, bei Bedarf mit Übersetzung.
  • Für reglementierte Berufe (zum Beispiel Ärztin, Pflegefachmann, Lehrerin, Anwalt) muss das Diplom anerkannt sein, bevor du den Beruf ausüben darfst. Anlaufstelle ist das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI).
  • Bei nicht reglementierten Berufen entscheidet der Arbeitgeber; eine Anerkennung kann trotzdem beim Lohn helfen.

Referenzen

  • Schweizer Arbeitgeber rufen Referenzen tatsächlich an, meist vor dem Angebot.
  • Nenne 2–3 frühere Vorgesetzte, mit deren Einverständnis, oder schreib „Referenzen auf Anfrage“.
  • Informiere sie frühzeitig, auf welche Stelle du dich beworben hast.

Format

  • Am besten ein einziges PDF in der Reihenfolge: Motivationsschreiben, Lebenslauf, Zeugnisse, Diplome.
  • Klare Dateinamen, zum Beispiel Popescu_Ana_Bewerbung.pdf.
  • Eine seriöse E-Mail-Adresse mit deinem Namen und eine Combox-Ansage auf dem Handy.
Wo suchen

Jobportale und Personalvermittler in der Schweiz

Es gibt kein einziges Portal für das ganze Land. Kombiniere ein allgemeines Portal, eines für deine Branche und lokale Personalvermittler.

WoFür wenGut zu wissen
jobs.chDeutschschweiz (Zürich, Basel, Bern, Luzern)Das grösste allgemeine Portal der Deutschschweiz.
jobup.chRomandie (Genf, Waadt, Neuenburg, Freiburg)Das französischsprachige Pendant zu jobs.ch.
Job-Room (arbeit.swiss)Alle RegionenPortal der öffentlichen Arbeitsvermittlung (RAV). Manche Stellen erscheinen hier früher als anderswo (siehe unten).
LinkedInIT, Finanzen, Management, internationale FirmenVollständiges Profil auf Englisch oder Deutsch; viele Recruiter suchen aktiv dort.
swissdevjobs.chIT und SoftwareentwicklungDie Inserate zeigen meist die Lohnspanne an.
Adecco, Manpower, Randstad und lokale TemporärbürosBau, Logistik, Industrie, Reinigung, GastronomieTemporärarbeit ist oft der schnellste Einstieg in den Arbeitsmarkt.
Michael Page, Page Personnel, HaysFachkräfte und FührungspositionenVermittlung qualifizierter Stellen; für Kandidierende kostenlos.
Websites von Firmen und KantonenSpitäler, öffentliche Verwaltung, grosse FirmenViele Stellen erscheinen nur in der Rubrik „Karriere“ des Arbeitgebers.

Stellenmeldepflicht: In Berufsarten mit hoher Arbeitslosigkeit müssen Arbeitgeber offene Stellen zuerst dem RAV melden. Während 5 Arbeitstagen sind diese Inserate nur für beim RAV angemeldete Personen sichtbar. Viele Stellen werden nie online ausgeschrieben, Kontakte zählen also: frag auch in der rumänischen Community in der Schweiz nach.

Vorstellungsgespräch

Das Gespräch und die Frage nach dem Lohn

Im Gespräch zählen Pünktlichkeit, gute Vorbereitung und eine klare Antwort auf die Frage nach deiner Lohnvorstellung.

Nenne einen Bruttobetrag

In der Schweiz werden Löhne brutto verhandelt. Viele Arbeitgeber fragen nach dem Jahreslohn; sag dazu, ob dein Betrag pro Monat × 12 oder × 13 gerechnet ist.

Prüfe vorher den Markt

Der offizielle Lohnrechner Salarium des Bundesamts für Statistik zeigt den typischen Lohn nach Beruf, Region, Alter und Erfahrung. So verlangst du nicht zu wenig.

Rechne realistisch netto

Vom Bruttolohn gehen die Sozialabzüge ab (AHV/IV/EO, ALV, Pensionskasse, Unfallversicherung), meist zusammen 12–17%, dazu die Quellensteuer und die Krankenkasse, die du separat bezahlst.

Medianlohn brutto pro Monat, Vollzeit (2024)CHF
Ganze Schweiz7024
Region Zürich7502
Tessin5708
Forschung und Entwicklung9139
Pharmaindustrie10 159
Banken10 723
Die tiefsten 10% verdienen weniger als4635

Quelle: Bundesamt für Statistik (BFS), Schweizerische Lohnstrukturerhebung 2024, veröffentlicht im November 2025.

Bewilligung

Welche Bewilligung du je nach Vertrag erhältst

Für EU-Bürgerinnen und -Bürger folgt die Bewilligung dem Vertrag: Du beantragst sie nicht im Voraus, sondern nach der Unterschrift.

VertragsdauerWas folgtWer kümmert sich
Bis 3 Monate (max. 90 Arbeitstage pro Kalenderjahr)Keine Bewilligung, nur das Online-MeldeverfahrenMeist der Arbeitgeber, spätestens einen Tag vor Arbeitsbeginn
3 bis 12 MonateKurzaufenthaltsbewilligung L, gültig so lange wie der VertragDu, bei der Gemeinde, mit dem Vertrag
12 Monate oder länger bzw. unbefristetAufenthaltsbewilligung B, gültig 5 JahreDu, bei der Gemeinde, mit dem Vertrag
Du wohnst in einem EU-Nachbarland und kehrst wöchentlich zurückGrenzgängerbewilligung GArbeitgeber oder du, bei der kantonalen Behörde

Noch keine Stelle gefunden? Nach den ersten 3 Monaten meldest du dich bei der Gemeinde an und beantragst eine Bewilligung L zur Stellensuche. Sie wird meist für 3 Monate erteilt und kann bis auf insgesamt ein Jahr verlängert werden, wenn du aktive Suchbemühungen und genug Mittel für den Lebensunterhalt nachweist. Die genauen Regeln variieren leicht von Kanton zu Kanton, und während dieser Zeit hast du keinen Anspruch auf Sozialhilfe. Welche Dokumente du brauchst, steht im Ratgeber Notwendige Dokumente als Neuankömmling in der Schweiz.

Arbeitsvertrag

Was du im Vertrag prüfst, bevor du unterschreibst

Die Grundregeln stehen im Obligationenrecht (OR). Vieles kann schriftlich oder durch einen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) abgeändert werden, lies also jede Klausel.

Probezeit

In der Regel der erste Monat; schriftlich kann sie auf höchstens 3 Monate verlängert werden (Art. 335b OR). Während der Probezeit können beide Seiten mit nur 7 Tagen Frist kündigen.

Kündigungsfrist

Nach der Probezeit: 1 Monat im ersten Dienstjahr, 2 Monate im 2. bis 9. Jahr, 3 Monate ab dem 10. Jahr, jeweils auf Ende eines Monats (Art. 335c OR). Der Vertrag kann schriftlich andere Fristen vorsehen.

12 oder 13 Monatslöhne

Der 13. Monatslohn ist sehr verbreitet, aber gesetzlich nicht vorgeschrieben. Vergleiche Angebote immer anhand des Jahreslohns brutto.

Ferien

Gesetzlich stehen dir mindestens 4 Wochen Ferien pro Jahr zu (5 bis zum 20. Altersjahr). Viele Firmen bieten 5 Wochen; prüfe die Zahl im Vertrag.

Arbeitszeit

Eine typische Arbeitswoche hat 40–42 Stunden. Achte darauf, wie Überstunden bezahlt oder kompensiert werden und ob du feste Zeiten, Schichten oder Arbeit auf Abruf hast.

Gesamtarbeitsvertrag

Im Bau, in der Gastronomie, in der Reinigung oder in der Temporärarbeit gibt es oft einen GAV mit verbindlichen Mindestlöhnen. Wird dir weniger angeboten, frag nach dem Grund.

Vermeiden

Häufige Fehler bei der Bewerbung in der Schweiz

Lebenslauf im rumänischen oder Europass-Format

Ein langer, generischer Europass wirkt schwach. Ein kurzer, übersichtlicher und auf die Stelle zugeschnittener Lebenslauf funktioniert viel besser.

Lohnvorstellung netto oder zu tief

Nennst du einen Nettobetrag oder einen Betrag weit unter dem Markt, nimmt ihn der Arbeitgeber gern an. Prüfe vorher Salarium und den GAV deiner Branche.

Angebote, die Geld von dir verlangen

Ein seriöser Arbeitgeber verlangt keine Vermittlungsgebühr, kein Geld für die Bewilligung und keine Vorauszahlung für eine Unterkunft. Siehe unseren Ratgeber zu Betrug und Abzocke in der Schweiz.

Arbeitsbeginn ohne Anmeldung

Wer ohne Meldeverfahren oder ohne Anmeldung bei der Gemeinde zu arbeiten beginnt, riskiert eine Busse, und zwar du ebenso wie der Arbeitgeber.

Häufige Fragen

Häufige Fragen zur Arbeit in der Schweiz

Kann ich mich von Rumänien aus bewerben, ohne vorher umzuziehen?

Ja. Viele Gespräche beginnen online. Du ziehst um und meldest dich an, sobald der Vertrag unterschrieben ist.

Brauche ich Deutsch oder Französisch?

Für die meisten Stellen ja: Die Sprache der Region ist entscheidend. Ausnahmen sind manche Stellen in IT, Forschung oder internationalen Firmen, wo Englisch reichen kann.

Muss ich meine Diplome übersetzen lassen?

Für die Bewerbung reicht meist eine einfache Übersetzung oder ein zweisprachiges Diplom. Für die offizielle Anerkennung eines reglementierten Berufs werden in der Regel beglaubigte Übersetzungen verlangt.

Was tun, wenn ich meine Stelle verliere?

Melde dich so schnell wie möglich beim RAV an, am besten schon während der Kündigungsfrist. Ob du Arbeitslosengeld erhältst, hängt davon ab, wie lange du Beiträge bezahlt hast.

Stand der Informationen: Oktober 2026. Die Angaben sind allgemeiner Natur. Quellen: Staatssekretariat für Migration (SEM), Bundesamt für Statistik (BFS), Obligationenrecht (Art. 330a, 335b, 335c OR) und kantonale Migrationsämter. Die Regeln können sich ändern; kläre deine konkrete Situation bei deiner Gemeinde oder beim kantonalen Migrationsamt.